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Ramsau – das erste Bergsteigerdorf Deutschlands

Mit den markanten Bergen, dem türkisen Wasser der Ramsauer Arche und der Pfarrkirche St. Sebastian gehört die Gemeinde Ramsau zu den meistfotografierten und gemalten Motiven des Berchtesgadener Landes. Ein wahres Wanderparadies am Fuße des Watzmanns und die Heimat zahlreicher berühmter Bergsteiger. Früher dachte ich immer, die Bewohner der Ramsau wären sehr eigensinnig. Heute weiß ich, dass es sich weniger um Eigensinn, als viel mehr um Stolz und Heimatliebe handelt. Die Ramsauer haben eine ganz besondere Beziehung zu den Bergen und der Natur. Und diese enge Verbindung ist auch in jedem Winkel der Ramsau zu spüren. Darum wundert es mich auch nicht, dass die Ramsau als erstes Dorf Deutschlands mit dem Prädikat „Bergsteigerdorf“ ausgezeichnet wurde. Doch die wenigsten wissen, was das eigentlich bedeutet. Und wie wertvoll dieses Siegel für den Erhalt des Alpenraumes ist.

Ramsau bei Berchtesgaden: Heimat berühmter Alpinisten

Mit etwa 1.800 Einwohnern ist die Ramsau eine der kleinsten eigenständigen Gemeinden im Berchtesgadener Land. Doch ihre innige Beziehung zu den Bergen war schon immer einzigartig. Besonders die Verbindung zum Watzmann und zum Hochkalter. Im Garten des Ramsauer Rathauses findet ihr eine Statue, die den berühmten Bergsteiger Johan Grill (1835-1917) zeigt. Auch bekannt unter dem Namen „Kederbacher“. Der Holzknecht aus Ramsau durchstieg als Erster die legendäre Watzmann-Ostwand, die höchste Wand der Ostalpen. Außerdem war er der erste autorisierte Bergführer Deutschlands und der erste Hüttenwirt des Watzmannhauses.

Daneben erinnert ein Gedenkstein an Hermann Buhl. Der in der Ramsau wohnhafte Alpinist bestieg als erster Mensch 1953 den Nanga Parbat. Vier Jahre später zählte er zu den Erstbesteigern des Broad Peak. Ihr merkt, namhafte Berg-Pioniere nannten die Ramsau ihr Zuhause. Auch heute noch zählt die kleine Gemeinde zu den Orten mit der höchsten Bergführerdichte Deutschlands. Kein Wunder also, dass die Ramsau das erste Bergsteigerdorf Deutschlands ist. Aber was bedeutet das eigentlich?

Bergsteigerdorf – was bedeutet das eigentlich?

Am 16. September 2015 hat der Deutsche Alpenverein die Ramsau offiziell als erstes Bergsteigerdorf Bayerns ausgezeichnet, nachdem sich die Gemeinde beim deutschen Alpenverein um das Prädikat Bergsteigerdorf beworben hat. Die Idee der Bergsteigerdörfer stammt ursprünglich aus Österreich. Vor der Ramsau hat der Österreichische Alpenverein bereits 20 Dörfer mit dem Qualitätssiegel Bergsteigerdorf ausgezeichnet. Doch die Kriterien dafür sind streng: Um ein Siegel zu erhalten muss sich das Dorf dem sanften Tourismus verschreiben und den Naturschutz, die Landwirtschaft sowie nachhaltige Entwicklung fördern. Ziel der Bergsteigerdörfer ist es, die Kultur und Traditionen des Alpenraumes zu bewahren. Sie sind vorbildhafte regionale Entwicklungskerne im nachhaltigen Alpintourismus. Und sie garantieren ein Tourismusangebot, das vor allem auf Bergsteiger ausgerichtet ist. Darum ist die Landschaft der Ramsau auch so herrlich ursprünglich und unverbaut. Wer hier auf den Berg will, muss das zu Fuß machen. Keine Bergbahn zerstört die unberührte Berglandschaft.

Bergsteigerdorf ist für die Ramsauer eine Philosophie

Für die Bewohner der Ramsau war von Anfang an klar, dass es sich beim „Bergsteigerdorf“ nicht um ein werbewirksames Qualitätssiegel handelt, sondern dass diese Auszeichnung die Philosophie der Gemeinde widerspiegelt. Und die Bürger beteiligen sich auch tatkräftig an diesem Projekt. Seit 2018 können die Einwohner innovative Ideen für eine nachhaltige Gemeindeentwicklung einreichen, die dann von der Gemeinde umgesetzt werden. Dabei stehen folgende Themenbereiche im Vordergrund:

  • Erhaltung von Kultur- und Naturlandschaft
  • Regionale Wertschöpfung
  • Klimawandel als lokale Herausforderung
  • Identitätsbildung und Heimatentwicklung

Das Bayerische Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz unterstützt und fördert diese Projekte.

Wandern in der Ramsau

Die Gemeindefläche der Ramsau beträgt ca. 130 km². Etwa ⅔ dieser Fläche liegen im Nationalpark Berchtesgaden, Deutschlands einzigem Nationalpark in den Alpen. Die geschützte Hochgebirgslandschaft erstreckt sich auf 210 km² zwischen 603 und 2.713 m über dem Meeresspiegel. Das Wanderparadies Ramsau bietet mit rund 250 km Wanderwegen unzählige Möglichkeiten, die unberührte Natur und hochgelegene Gipfel zu entdecken. Höchster Punkt ist der Watzmann mit 2.713 m. Die Wandermöglichkeiten in der Ramsau sind so zahlreich, dass ich sie gar nicht alle hier vorstellen kann. Aber meine Favoriten wie Hintersee, Almerlebnisweg oder Ramsauer Dolomiten werde ich alle als eigenen Artikel hochladen. Hier noch ein kleiner Überblick über die wichtigsten Berge und Gipfel:

Gebirgsgruppen:

  • Berchtesgadener Alpen
  • Watzmann
  • Hochkalter
  • Reiter Alm (auch: Reiter Alpe)
  • Lattengebirge

Wichtige Gipfel:

  • Watzmann Mittelspitze (2.713 m)
  • Watzmann Südspitze (2.712 m)
  • Hochkalter (2.607 m)
  • Blaueisspitze (2.481 m)
  • Hocheisspitze (2.523 m)
  • Kammerlinghorn (2.484 m)
  • Stadelhorn (2.286 m)
  • Schärtenspitze (2.153 m)

Hintersee in der Ramsau

Der Hintersee ist für mich einer der schönsten Seen im Berchtesgadener Land. Er hat etwas Magisches und Verspieltes. Daher zählt er auch definitiv zu den Top-Sehenswürdigkeiten in der Ramsau und im Berchtesgadener Land. In einem eigenen Blogbeitrag habe ich schon ausführlich über den Hintersee geschrieben und empfehle dort eine malerische Rundwanderung um den kristallklaren Bergsee.

Sehenswürdigkeiten in der Ramsau: Pfarrkirche St. Sebastian

Jeder kennt die Ramsau. Vielleicht nicht vom Namen her, aber das Bild der Pfarrkirche St. Sebastian mit der Ramsauer Ache, dem Ertlsteg und der Bergkette Reiter Alm im Hintergrund gehört zu den meistfotografierten und gemalten Motiven des Berchtesgadener Landes. Es findet sich vor allem auf Foto- und Ansichtskarten wieder. Im Sommer tummeln sich hier auch zahlreiche Influencer, um sich auf der Brücke in Pose zu werfen. Daher am besten frühzeitig dort sein, um ein schönes Foto ohne Menschenmassen zu machen. In der Nähe der Pfarrkirche befindet sich ein kleiner Bergkurgarten mit Gradierwerk, Spielplatz und Gaststätte. Weitere Sehenswürdigkeiten in der Ramsau sind die Wimbachklamm, der Blaueisgletscher und die wilden Felswände der Ramsauer Dolomiten.

Ferienwohnungen und Hotels in der Ramsau

Ihr werdet in der Ramsau keine massiven Hotelbauten oder Betonbunker finden. Als Bergsteigerdorf muss die Ramsau strenge Auflagen erfüllen, die auch das Ortsbild betreffen. In den traditionellen Bauernhäusern findet ihr jedoch zahlreiche Ferienwohnungen. Wer dennoch nicht auf Luxus verzichten will, dem empfehle ich das Berghotel Rehlegg. Ein ehemaliges Bauernhaus, das zum luxuriösen 4-Sterne-Superior-Hotel umgebaut wurde und das großen Wert auf nachhaltigen Tourismus legt. Wer eine traumhafte Lage am malerischen Hintersee bevorzugt, dem kann ich das CVJM Aktivzentrum empfehlen. Weniger luxuriös als das Rehlegg, dafür aber viel günstiger und perfekt für Gruppen, Familien und Aktive.

Ramsau: Wetter und Webcam

Wer sich spontan für einen Besuch in der Ramsau entscheidet und die aktuelle Wetterlage wissen will, kann sich selbst ein Bild durch die Live-Webcam machen. Die Webcam zeigt die Pfarrkirche St. Sebastian aus der berühmten Perspektive des Malerwinkels. Vielleicht seht ihr beim Durchschauen ja auch den ein oder anderen Influencer beim Posieren 😉

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