Feierabendwanderung auf den Inzeller Kienbergl
Gerade im Sommer, wenn die Tage länger werden und das Licht am Abend langsam weicher, liebe ich kleine Feierabendtouren. Einfach noch mal raus, den Kopf frei bekommen, ein bisschen Bewegung – und am besten mit einem schönen Ausblick als Belohnung. Aber ganz ehrlich: Nicht immer hat man Zeit oder Lust auf eine große Bergtour. Vor allem im Frühsommer oder Spätherbst, wenn es abends schneller dunkel wird, will ich oft eine kurze, unkomplizierte Wanderung. Ein schneller Gipfel, eine schöne Aussicht, keine lange Anfahrt – und im besten Fall auch noch gut machbar, wenn man notfalls im Dunkeln wieder absteigen muss. Genau so ein Berg ist der Kienbergl in Inzell. Neben dem Falkenstein ragt er markant aus dem Inzeller Talkessel heraus. Seine steilen Hänge und felsigen Wände verleihen ihm fast schon alpinen Charakter – auch wenn die Tour selbst angenehm überschaubar bleibt.


Startpunkt: Wanderparkplatz Zwing
Los geht’s am Wanderparkplatz Zwing (719 m) an der Deutschen Alpenstraße (B305) südlich von Inzell. Kleiner Hinweis: Der Parkplatz ist kostenpflichtig (5 €), ab 16 Uhr wird es etwas günstiger. Kartenzahlung ist möglich – also ganz entspannt.
Vom Parkplatz aus starten wir auf einem breiten Forstweg Richtung Westen. Nach etwa 700 Metern folgen wir dem Wegweiser „Kienbergl 1 h“ nach rechts in den Wald.
Durch den Wald – der Weg wird schmaler
Ab hier wird es deutlich idyllischer: Ein schmaler Pfad führt uns durch den lichten Bergwald, über moosige Waldböden, vorbei an Wurzeln und Steinen. Die ersten Meter verlaufen noch angenehm moderat – perfekt, um in den Rhythmus zu kommen. Wir folgen dem Weg Nr. 5 Richtung Moaralm, bevor der Steig Nr. 28 rechts in Richtung Gipfel abzweigt. Und dann wird’s ernst.



Der knackige Aufstieg
Der zweite Teil der Wanderung hat es in sich: Der schmale Steig schlängelt sich steil nach oben, in mehreren Serpentinen geht es kontinuierlich bergauf. Hier kommt man definitiv ins Schwitzen – aber genau das macht diese Tour auch so perfekt für den Feierabend. Kurz, intensiv und mit einem Ziel vor Augen. Nach einigen Minuten öffnet sich der Wald – und plötzlich steht man oben am ersten Gipfel.



Zwei Gipfel & ein Sonnenuntergang
Der Kienbergl hat gleich zwei kleine Gipfel – und genau das macht diese Tour so besonders.
Zuerst erreichen wir den westlichen Vorgipfel auf etwa 1.070 Metern. Hier steht schon ein Gipfelkreuz und eine kleine Bank mit wunderschönem Blick über das Inzeller Tal – perfekt für einen ersten kurzen Stopp und einmal durchschnaufen. Manchmal wird dieser Gipfel auch als „Kleines Kienbergl“ bezeichnet – ein offizieller Name ist das aber nicht. Das „-bergl“ im Namen verrät übrigens: Der Kienbergl ist sozusagen die kleinere Variante des deutlich größeren Kienbergs in der Region.
Aber lange bleiben wir nicht – denn das Beste kommt erst noch.
Wir steigen ein kleines Stück zurück und folgen dann dem Rücken des Kienbergls nach Osten. Der Weg führt über einen schmalen Grat, stellenweise mit leichten Kletterpassagen – nichts Schwieriges, aber genau das, was diese Tour so spannend macht. Mit jedem Schritt wird die Aussicht ein bisschen weiter, ein bisschen schöner. Nach wenigen Minuten stehen wir am östlichen Hauptgipfel auf etwa 1.135 Metern – für mich ganz klar das Highlight der Tour. Auch hier steht ein Gipfelkreuz, deshalb hört man manchmal Namen wie „Kreuzgipfel“ oder „Kreuzspitze“. Einen offiziellen Namen gibt es aber nicht – es ist einfach der Hauptgipfel des Kienbergls.
Und die Aussicht? Einfach traumhaft:
- Tief hinunter ins Inzeller Tal mit Ort und umliegenden Dörfern
- Blick Richtung Hochstaufen mit seinen markanten Felswänden
- Weite Sicht zu den Loferer Steinbergen
- Und hinüber zur Reiter Alpe
Hier oben lassen wir uns Zeit. Ein kleiner Snack, ein paar ruhige Minuten – und wenn man Glück hat, ein Sonnenuntergang, der alles in dieses warme, goldene Licht taucht.
Genau für solche Momente liebe ich diese kurzen Abendtouren.
Abstieg – Konzentration ist gefragt
Der Rückweg erfolgt auf dem gleichen Weg. Wichtig: Der schmale Waldsteig ist stellenweise wurzelig und kann vor allem bei Feuchtigkeit rutschig sein. Trittsicherheit und Konzentration sind hier gefragt.
Und ganz wichtig für alle Feierabendwanderer: Unbedingt eine Stirnlampe mitnehmen!
Gerade im Frühsommer oder Herbst wird es schneller dunkel, und der Abstieg durch den Wald kann sonst unangenehm werden.

Fazit: Perfekter Feierabendberg
Der Kienbergl ist für mich einer dieser Berge, die man immer wieder gehen kann:
✔ kurze Anfahrt von Bad Reichenhall
✔ schneller Aufstieg
✔ zwei Gipfel
✔ traumhafte Aussicht
✔ perfekt für Sonnenuntergänge
Mit insgesamt etwa 2 Stunden Gehzeit ist die Tour ideal für den Abend – oder auch für alle, die eine kurze, aber abwechslungsreiche Wanderung suchen.
Kienbergl: Alle Infos zur Feierabendtour
Start/Ziel: Wanderparkplatz Zwing
Adresse: Reichenhaller Straße 100, 83334 Inzell (in Google Maps öffnen)
Dauer: ca. 2 Stunden gesamt (je nach Kondition)
Höhenmeter: ca. 400 hm
Wegstrecke: ca. 4 km
Weg: Parkplatz – Weg Nr. 5 Richtung Moaralm – Abzweigung Steig Nr. 28 – Gipfel – gleicher Rückweg
Gipfel: 2 Gipfelkreuze am Kienbergl (westlicher Vorgipfel „Kleines Kienbergl“ ca. 1.070 m & Hauptgipfel ca. 1.131 m)
Schwierigkeit: leicht bis mittel (steiler Anstieg, Trittsicherheit nötig)
Beste Jahreszeit: Frühling bis Herbst, besonders schön am Abend
Tipp: Stirnlampe für den Rückweg mitnehmen








