Kleine Reibn, Wanderung über Schneibstein
Berge + Wanderungen

Die Kleine Reibn – unterwegs mit Steinböcken und Murmeltieren

Klein ist für diese Rundwanderung in den Berchtesgadener Alpen eigentlich das völlig falsche Wort. Denn mit 19 Kilometern, 1240 Höhenmetern und etwa 8,5 Stunden handelt es sich bei der Kleinen Reibn um eine anspruchsvolle Wanderung, die aber jeden Meter Wert ist. Sie führt vom Wanderparkplatz Hinterbrand über den Jenner und das Stahlhaus zum Schneibsteingipfel. Dort genießt ihr einen traumhaften Weitblick über das Steinerne Meer, auf die berühmt-berüchtigte Watzmann Ostwand, den Hundstod, Hochkalter und Hochkönig sowie auf Göll, Untersberg und die Schlafende Hexe. Der Abstieg führt vorbei am malerischen Seeleinsee. Und wer Glück hat, begegnet auf dieser majestätischen Gipfelwanderung sogar Steinböcken, Gämsen und Murmeltieren. Besonders zwischen Schneibsteingipfel und Windschartenkopf sind fast immer Steinböcke zu sehen.

Kleine Reibn, Wanderung über Schneibstein

Kleine Reibn: Beliebte Rundwanderung im Sommer und Winter

Als „Reib’n“ bezeichnet der Berchtesgadener eine „Runde“. Die Kleine Reib’n ist also nichts anderes als eine Rundwanderung und erfreut sich im Winter als Skitour großer Beliebtheit. Für mich gehört sie aber auch im Sommer zu einer der schönsten Bergtouren im Berchtesgadener Land. Und bisher habe ich auch immer Steinböcke gesehen.

Ausgangspunkt der Kleinen Reibn: Parkplatz Hinterbrand

Wir starten die Tour am Parkplatz Hinterbrand und wandern auf dem Forstweg in Richtung Jennerbahn Mittelstation. Folgt dabei den Schildern Stahlhaus / Schneibsteinhaus. Etwa 10 Minuten geht es gemütlich bergauf, dann beginnt der knackige Anstieg.

Insider-Tipp: Unbedingt frühzeitig am Parkplatz sein, da dieser sehr beliebt ist. Das Ticket kostet nur 2 Euro, somit gehört Hinterbrand zu den günstigsten Wanderparkplätzen. Für einheimische Wanderer lohnt sich definitiv eine Jahreskarte. Diese kostet ca. 40 Euro, gilt ein Jahr und beinhaltet alle wichtigen Wanderparkplätze im Berchtesgadener Land. So spart ihr euch die nervige Kleingeldsuche am Automaten.

  • Kleine Reibn, Wanderung über Schneibstein
  • Mitterkaseralm, Wanderung auf den Jenner
  • Kleine Reibn, Wanderung über Schneibstein
  • Kleine Reibn, Wanderung über Schneibstein
  • Kleine Reibn, Wanderung über Schneibstein

Von der Jenner Mittelstation zum Stahlhaus

Wenige Meter vor der Mittelstation zweigt links ein steiler Steig ab und führt in zahlreichen Serpentinen entlang der Piste zum Mitterkaser empor. Bei Skifahrern ist diese Piste als legendäres Krautkaserfeld bekannt. Anaschließend wandert ihr vorbei an der Mitterkaseralm bis zum Jennersattel (ca. 1800 m) und genießt dabei einen tollen Blick auf das Hohe Brett (2340 m). Über den Jennersattel geht’s weiter, vorbei am Schneibsteinhause bis zum Carl-von-Stahl Haus am Torrener Joch. Für den Weg benötigt ihr etwa 1,5 Stunden.

  • Kleine Reibn, Wanderung über das Schneibsteinhaus
  • Kleine Reibn, Wanderung über das Stahlhaus

Kleine Reibn: Vom Stahlhaus zum Schneibstein

Im Stahlhaus könnt ihr euch vom steilen Aufstieg erholen und etwas stärken. Das ist zudem auch die letzte Einkehrmöglichkeit, die nächste folgt erst am Ende der Tour. Nach der Pause folgt der anspruchsvolle Bergsteig auf den Schneibstein. Durch felsige Latschengassen geht es über den Steilaufschwung hinweg, zu einer karstige Hochfläche, dem sogenannten Blumengarten. Ihr wandert auf einem gut markiertem Steig über Schrofen hinauf bis zum sehr breiten Westrücken. Endlich erreicht ihr das Gipfelplateau (2276 m), das von zwei Gipfelkreuzen geziert wird.

  • Kleine Reibn, Wanderung über Schneibstein
  • Kleine Reibn, Wanderung über Schneibstein

Das riesige, flache Gipfelplateau des Schneibsteins

Das Highlight der Kleinen Reibn: Endlich oben angekommen habt ihr einen grandiosen Rundumblick auf das karge Hagengebirge, die unberührte Weite des Steinernen Meers, die berühmt-berüchtigte Watzmann Ostwand, die grüne Schönau und die senkrecht abfallenden Südwände des Untersbergs. Das Gipfelplateau ist riesig, somit findet ihr auch in der Hauptwanderzeit immer ein Plätzchen zum Ausruhen und Genießen.

  • Kleine Reibn, Wanderung über Schneibstein
  • Kleine Reibn, Wanderung über Schneibstein
  • Kleine Reibn, Wanderung über Schneibstein
  • Kleine Reibn, Wanderung über Schneibstein
  • Kleine Reibn, Wanderung über Schneibstein
  • Kleine Reibn, Wanderung über Schneibstein
  • Kleine Reibn, Wanderung über Schneibstein

Vom Schneibstein über die Windscharte zum Seeleinsee

Von den beiden Gipfelkreuzen des Schneibsteins wandert ihr in südliche Richtung über steiniges Gelände zur Windscharte. Hier ist sehr gutes Schuhwerk empfehlenswert, da ihr teilweise sehr scharfkantiges (Kalk-) Gestein durchsteigen müsst. Auch die Wegmarkierungen auf den Steinen am Boden sind nicht immer leicht zu finden. Vor allem bei Nebel könnt ihr hier schnell die Orientierung verlieren.

Insider-Tipp: Haltet ab jetzt am besten immer ein Fernglas bereit, denn hier ist die Wahrscheinlichkeit Steinböcke & Co. zu sehen am größten.

Malerischer Bergsee: Seeleinsee

Unterhalb des Windschartenkopfs steigt ihr in das Tal zwischen Fagstein und Windschartenkopf ab. Dann erreicht ihr endlich den wunderschönen Seeleinsee (1.809 m). Dieser lädt zu einer weiteren Pause ein. Im Sommer könnt ihr im klaren, aber sehr kalten Wasser sogar baden. Von eurem Rastplatz habt ihr einen traumhaften Blick auf den majestätisch aufragenden Gipfel des Kahlersbergs. Nun folgt der Rüchweg: Vorbei am See führt die Tour durch den schattigen Stiergraben hinab zur Priesbergalm. Während der Sommermonate lädt diese ebenfalls zu einer idyllischen Pause ein. Von dort aus folgt ihr dann dem Königsweg über die Königsbachalm zur Jennerbahn Mittelstation und weiter zum Parkplatz Hinterbrand.

Insider-Tipp: Auf dem letzten Wegabschnitt nach der Priesbergalm kommt ihr an der Brennhütte der Enzianbrennerei Grassl vorbei. Während der Sommersaison wird dort von Montag bis Freitag Enzian gebrannt. Probieren könnt ihr natürlich auch. Ein gelungener Abschluss für eine atemberaubende Wanderung.

  • Kleine Reibn, Wanderung über Schneibstein
  • Kleine Reibn, Wanderung über Seeleinsee
  • Kleine Reibn, Wanderung über Seeleinsee
  • Kleine Reibn, Wanderung über Seeleinsee

Abkürzung: Mit der Bergbahn auf den Jenner

Wem die vielen Kilometer Wegstrecke zu viel sind, der kann auch abkürzen. Entweder mit einer Hüttenübernachtung (zum Beispiel im Stahlhaus) oder mit der Bergbahn. Wenn ihr die Bahn nehmt, müsst ihr mit der Jennerbahn bis zum Jennergipfel fahren und in nur wenigen Minuten zum Jennersattel absteigen. Weiter führt die Wanderung wie oben beschrieben über den Schneibstein und den Seeleinsee zurück zur Jenner Mittelstation. Von dort aus könnt ihr entweder mit der Bahn oder zu Fuß zur Talstation gelangen.

Kleine Reibn über Jennergipfel

Wem die 19 Kilometer Wegstrecke noch nicht ausreichen und wer noch etwas Kraft übrig hat, dem empfehle ich, vom Jennersattel einen kurzen Abstecher auf den Jennergipfel zu machen. Das dauert nur etwa 30 Minuten und ihr habt einen tollen Blick auf den berühmten Königssee. Einziger Nachteil: Der Jenner ist aufgrund der Jennerbahn meist völlig überlaufen und auch sehr verbaut. Die Einsamkeit der Berge sucht ihr hier vergebens.

Blick vom Jennergipfel auf den Königssee

Kleine Reibn: Alle wichtigen Infos auf einen Blick

  • Anfahrt Auto:
    Parkplatz: Hinterbrand, Scharitzkehlstraße, 83471 Schönau am Königssee
  • Alternativ: Auffahrt mit der Jennerbahn zum Jennergipfel
  • Art der Wanderung: mittelschwere, konditionell anspruchsvolle Bergwanderung
  • Kosten: 2 Euro Parkplatz Hinterbrand
  • Höhenmeter: 1240 Höhenmeter
  • Strecke: 19 km
  • Gehzeit: Rundwanderung ca. 9 Stunden
  • Kondition: hohe Anforderungen
  • Technik: Trittsicherheit, Ausdauer und Schwindelfreiheit erforderlich
  • Ausrüstung: Wanderschuhe empfehlenswert
  • Rundtour: ja
  • Einkehrmöglichkeiten: Jenneralm, Stahlhaus, Priesbergalm, Mitterkaseralm, Schneibsteinhaus, Jenner Mittelstation, Königsbachalm, Dr.-Hugo-Beck-Haus
  • Für Familien und Kinder geeignet: Bedingt, nur wenn die Kinder trittsicher sind und eine gute Kondition haben
  • Besonderheiten: Grandioser Blick auf die umliegende Bergwelt. Zwischen Schneibsteingipfel und Windschartenkopf sind fast immer Steinböcke zu sehen.
  • Beste Zeit: im Früh- oder Spätsommer (wie der Name Scheibstein schon sagt, schneit es hier sehr früh. Zudem ist der Weg fast komplett in der Sonne, daher besser nicht im Winter oder im Hochsommer gehen)

7 Comments

  • Simone

    Dankeschön für das Mitnehmen und die wunderbaren Einblicke! Wir sind dieses Jahr im September nur ein wenig den Schneibstein hinaufgestiegen. Dann würde es uns zu glatt. Es hätte vorher stark geregnet.
    Definitv muss ich diese Runde noch laufen. Die Sicht auf das Steinernde Meer ist einfach nur schön. Ich kann sehr gut verstehen, warum man in die Gegend von Berchtesgaden und Bad Reichenhall zieht. Auch ich habe mich gleich beim ersten Mal Hals über Kopf verliebt!
    Ich freue mich, Deinen Blog gefunden zu haben!
    LG Simone

    • Alex

      Vielen lieben Dank, Simone. Dein Feedback freut mich riesig. Der Schneibstein gehört für mich zu den schönsten Gipfeln im Berchtesgadener Land und ich hatte bis jetzt auch immer das Glück, Steinböcke zu sehen. Wir wollten auch im Juli mal hoch, mussten aber aufgrund des starken Nebels umkehren, das war uns zu unsicher. Kann ich daher gut verstehen. Das musst du unbedingt mal bei gutem Wetter nachholen und mir dann berichten, ob du auch so begeistert warst. Ganz liebe Grüße aus dem Berchtesgadener Land, Alexandra

  • Bettina Zarneckow

    Ein sehr schöner Bericht. Habe am Samstag zusammen mit meiner Tochter die kleine Reibn gewagt. Von der Jenner Bergstation aus. Wir waren begeistert vom Schneibstein und dem anschließenden Abstieg über Seeleinsee und Priesbergalm, aber am Ende der Tour auch ziemlich am Ende unserer Kräfte. Aber wir sind auch ungeübte Bergwanderer. Dennoch immer noch sehr glücklich über unsere Tour. Wir sind seit vier Jahren regelmäßig im Urlaub, hier im wunderschönen Berchtesgadener Land. Weil wir uns so wohl fühlen.
    LG Bettina

    • Alex

      Vielen lieben Dank! Das freut mich, dass euch die Tour auch so gut gefallen hat. Sie ist zwar sehr anstrengend, aber jeder Meter lohnt sich 🙂 Schön, dass es euch hier im Berchtesgadener Land so gut gefällt, vielleicht findet ihr auf meinem Blog ja noch den ein oder anderen für euch passenden Wandertipp. Demnächst kommen wieder einige schöne und familienfreundliche Ausflugstipps.
      LG Alexandra

  • Sabrina

    Vielen Dank für den tollen Bericht!
    Kannst du einschätzen, wie viele Kilometer man durch die Bergbahn auf den Jenner-Gipfel und dann bis zur Mittelstation einsparen kann?
    LG Sabrina

    • Alex

      Schön, wenn er dir gefallen hat 🙂 Puh, genau kann ich das natürlich nicht sagen, aber ich denke vom Parkplatz Hinterbrand bis zum Jennergipfel sind es etwa 5 km, die ziemlich steil bergauf gehen. Ihr spart euch durch die Fahrt mit der Jennerbahn auf den Gipfel also in erster Linie viele Höhenmeter und etwa 1,5 Stunden Fußmarsch. Für alle, die sich diese lange Wanderung nicht zutrauen, ist das definitiv eine tolle Option, um einige Höhenmeter zu sparen. LG Alexandra

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.